Der Reiz des Plakats liegt für den freien Grafikdesigner Frank Georgy nicht nur im Medium Plakat selbst begründet oder in der Größe der zu gestaltenden Fläche. Der Reiz des Plakats liegt für den 38jährigen auch im bislang zum Plakat gehörenden typischen groben Raster mit 7 bis 8 Linien pro Zentimeter. Den plakattypischen Raster setzte Andy Warhol auch in der Kunst ein. Seine PopArt-Bilder gehören zu den Ikonen der modernen Kunst. Wie das Korn in der Fotographie, kann der Raster auch ein kreatives Gestaltungsmittel sein. Im Plakatgeschäft selbst wird der Raster bei manchen Motiven aber als störendes Element empfunden. Das gilt vor allem bei feinen Motiven oder Plakaten, die in Innenstadtlagen auch einer Nahbetrachtung ausgesetzt sind. Nicht zuletzt deshalb gibt es Wünsche, auch Großplakate in engeren Rasterweiten zu drucken. Auch die digitalen Drucksysteme, die ja kein Raster, sondern Pixel drucken und überwiegend am POS eingesetzt werden, geben hier eine Richtlinie. Die fotorealistische Darstellung ist also das neue Ziel des Plakatdrucks. Das kann auch als ein neues, starkes Argument für die Außenwerbung angesehen werden – endlich können Produkte auf einem Offsetplakat in großer Detailvielfalt gezeigt werden. Zwei deutsche Plakatdrucker haben sich mit dem Thema beschäftigt und Ihre Schlüsse aus den neuen Möglichkeit gezogen.
Vor gut einem Jahr wurde bei Staudigl-Druck GmbH & Co. KG nach umfassenden Testreihen der 26er Raster für mehrteilige Großflächenplakate im Kundenkreis vorgestellt und auch entsprechend beworben. Staudigl-Druck spricht wegen der, eigenen Angaben zufolge, nahezu fotorealistischen Wiedergabe der Motive im Großflächenformat von völlig neuen Möglichkeiten der Außenwerbung. Voraussetzung sind allerdings, so Staudigl, ein moderner Maschinenpark und eine entsprechend moderne Druckvorstufe. Ohne Computer-to-Plate ist der für das Plakat sehr feine 26er Raster nicht realisierbar.
Für den ungewöhnlichen 26er Raster entschied man sich nach Druckversuchen. Man druckte verschiedene Plakatmotive mit Rasterweiten zwischen 7 und 60 Linien pro Zentimeter an, bis man zu dem Ergebnis gelangte, dass der 26er Raster die beste Auflösung sowohl für den normalen Betrachtungsabstand als auch für den Nahbereich ist. Auch nehmen im Plakatdruck wie überhaupt im Offsetdruck die Schwierigkeiten mit der Feinheit der verwendeten Raster zu; ein Grund, Plakate nicht im sonst üblichen 60er Raster zu drucken. Laut Staudigl stellt die Auflösung im 26er Raster aber keine besondere Anforderungen an die Kundendateien. Allerdings durchlaufen alle eingehenden Daten bei Staudigl eine entsprechende „Tauglichkeitsprüfung". Staudigl schreibt seinen Kunden beispielsweise eine Dateigröße von A2 mit einer Auflösung von 240 dpi vor, das allein deshalb, um nicht mit von vorneherein unbrauchbaren Daten beliefert zu werden. Oftmals ...zeigendatei für A4 ein Großplakat in 18/1 gedruckt bekommen.
60 Prozent der Plakataufträge im Feinraster
Geschäftsführer Peter Mehrer von Staudigl-Druck zum Thema Feinraster im Plakat: „Der feine 26er High-End-Raster schafft definitiv ganz neue Dimensionen für die Außenwerbung, der Mindestbetrachtungsabstand schrumpft auf Null, ohne dass es zu Qualitätseinbußen bei größerem Betrachtungsabstand kommt. Die Großfläche vermittelt auf diese Weise auf einer Fläche von rund 9 Quadratmetern erstmals eine Wiedergabe ohne störende, sichtbare Rasterpunkte." Mittlerweile gehört der Plakatdruck im 26er Raster zum Standard der Aufträge in Donauwörth. Bei fast 60 % der 2002 bei Staudigl-Druck georderten Großflächenplakate entscheidet sich der Kunde für den feineren Raster, obwohl man bei Staudigl auch den gröberen 16er Raster anbietet. Hauptinteressenten sind laut Mehrer Agenturen und Kunden, die für Food-, Getränke-, Mode- und allgemein hochpreisige Artikel wie beispielsweise Autos werben. „Die Kunden wünschen sich seit langem, dass die großen Rasterpunke, die bei geringem Betrachtungsabstand deutlich erkennbar sind, kleiner werden." Mehrer erkennt auch ein geringfügiges Stadt-Land-Gefälle beim Einsatz von Plakaten mit 26er Raster. Da in den Städten die Betrachtungsabstände geringer als auf dem Land sind, wird der feinere Raster dort auch öfter gewählt als bei Plakatierungen auf dem Land. Der Plakatstandort spielt eine entscheidende Rolle. Staudigl: „Supermärkte, Autohäuser, Möbelhäuser und Fußgängerzonen zählen zu den Standorten, wo der 26er Raster echte Vorteile bietet."
Feinraster nicht bei allen Plakatmotiven
Bei Plakatanfragen bietet Staudigl-Druck zunächst grundsätzlich beide Möglichkeiten an, den 16er und den 26er Raster. Neukunden werden zusätzlich über die Möglichkeiten des 26er Rasters informiert. Der 26er Raster wird bei Staudigl nur empfohlen, wenn seine Vorteile auch zum Tragen kommen können. Heute allerdings wird der High-End-Raster von immer mehr Kunden bereits aktiv angefragt. Zum einen, da der finanzielle Mehraufwand im Verhältnis zur Qualitätssteigerung gering ist , und zum anderen besonders dann, wenn dem Kunden im Vorfeld im Bezug auf Fotographie, Layout oder Dateiformat keinerlei Mehraufwand entsteht. |